Von Kalbach nach Nordhessen und Niedersachen mit dem 9€-Ticket

Liebe Leserinnen und Leser,

als ich davon erstmalig las, dass es in den Sommermonaten Juni, Juli und August eine Monatsfahrkarte für 9€ mit einer deutschlandweiten Gültigkeit im Nah- und Regionalverkehr für nur 9€ geben solle, konnte ich es erst kaum glauben. Wer bereits ein RMV Job- oder ein 365€ Seniorenticket hat, kannte das zwar bereits – aber es ist auf Hessen beschränkt. Einfach in ganz Deutschland in jeden Bus, jede S-, U- oder Straßenbahn einsteigen zu können ohne sich mit Tarifzonen oder Ticketautomaten auseinanderzusetzen müssen, erschien undenkbar.

Am ersten Juni war es dann soweit. Ich habe das 9€-Ticket seitdem für viele Fahrten in Hessen und knapp über die Landesgrenze benutzt. Von einer Fahrt mit meinem Mann möchte ich Ihnen gerne berichten: Wir starteten um 7:45 Uhr mit einem Spaziergang zur Bushaltestelle der Linie 29, die vom Nordwestzentrum nach Nieder-Erlenbach regelmäßig verkehrt. Gegen 8 Uhr kam der Bus und brachte uns zur U-Bahn-Station Kalbach. Dort stiegen wir gegen 8:15 Uhr in die U 2. Nach einem Umstieg am Willy-Brandt-Platz trafen wir im Hauptbahnhof ein. Dort startete um 9:05 der mäßig besetzte RE30. In Kassel wechselten wir in die Regionaltram RT1 nach Hofgeismar um von dort noch ein Stück mit dem Bus nach Bad Karlshafen zu fahren. Die Fahrt dauerte insgesamt knapp vier Stunden.

Nach der Besichtigung der barocken Stadtanlage am historischen Hafenbecken nutzten wir dann die Oberweserbahn um nach Göttingen zu kommen. Mit uns im Zug saßen weitere 9€-Ticket Enthusiasten, die wie wir die tolle Möglichkeit schätzten, Regionen in unserem schönen Hessen kennenzulernen, die sonst eher übersehen werden.

In Göttingen übernachteten wir dann und nutzten den nächsten Morgen noch für einen Stadtbummel durch die Innenstadt und einem Spaziergang über den Wall, bevor wir – dieses Mal in vollen Zügen – nach Frankfurt zurückfuhren.

Ich hoffe, dass das weltweit größte ÖPNV-Experiment eine dauerhafte Fortsetzung findet. Mit 9€/Monat wird der ÖPNV nicht auf Dauer zu finanzieren sein. Aber der erlebte, so problemlose Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln in verschieden Verkehrsverbünden, sollte auf Dauer möglich sein. Das würde viele ermuntern, das Auto auch mal stehen zu lassen und Bus oder Bahn für Ausflüge zu nutzen.

Herzlichst Ihre

Susanne Kassold